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Weimars goldene Tage

Gemälde von

Theobald Reinhold Freiherr von Oer (1860)

 

Szene: Friedrich Schiller im Park des Schlosses in Tiefurt,

vor Goethe, Herzog Karl August, Herzogin Anna Amalia, Herzogin Luise und den Kindern.

Auf dem Bild sind noch zu sehen:

Wieland, Herder, die Gebrüder Humboldt, Charlotte von Kalb, Karoline von Wolzogen, Charlotte Schiller, u. a.

Der Verbleib des Gemäldes ist nicht bekannt. Es hing einst im Schloss Bellevue in Berlin.

 

 

An Friedrich von Schiller

 

Fort bist Du lange schon,

doch hier noch so präsent,

dass Deine Gegenwart zu spüren

augenschließend ich vermag;

lässt mir das große Schweigen,

das niemals mich bei meinem Namen nennt.

So plötzlich kam der Schmerz,

verfinsterte den Tag;

suchtest den Weg in ferne Dimensionen,

gabst von der Ewigkeit, die Du versprachst,

mir nur ein kleines Stück;

wo Seraphinen in Traumwelten wohnen,

dorthin brachte Dein Todesengel Dich zurück.

Gewährte Zerberus Dir Einlass in sein Reich,

so zahle ich heut’ noch dafür Gebühr;

erscheint Dein Antlitz vor mir engelsgleich,

streck’ ich in manchem Traum die Hand nach Dir.

Werde ich niemals Deiner Stimme lauschen

und niemals Deinen warmen Atem spür’n?

Wie könnt’ ich mich an Deiner Gegenwart berauschen,

wie sehr möcht’ ich mit Dir den Himmel sanft berühr’n!

Vergangen und vorbei – vergessen nie so ganz;

am Ende meines Weges sei bereit,

reich’ mir die Hand zum eig’nen Totentanz

auf dem Parkett durch die Unendlichkeit.         
 

 

 

Gedichte von Friedrich Schiller

 

 

Pavillon im Schlosspark der einst herzoglichen

Sommerresidenz Tiefurt (2004)

©Gisela Seidel