Lebensfreude

 

 

Gedichte im Wandel der Zeit

von

Gisela Seidel

                                                                                                          Index

Lebensfreude 

Lebenskünstler

Meinem Sohn

Lebensmühle

Das Spiegelbild

Rosengarten

Volkslieder

Sprechblasen

Gedankenbote

Reine Gedanken

Traumwelt

Erwachen

Melodie der Nacht

Wünsche

Inspiration

Leere Blätter

Geistesblitze

Nachtglocken

 

 

 

Lebensfreude

ist positive Energie,

die Stagnation tausendfach

zum Schwingen bringt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedankenbote

 

Bin der Gedankenbote,

kein Wenn und Aber füg’ ich ein,

sende in ausgeglich’nem Lote,

Ideen mal in Groß, mal Klein.

 

Bin der Geschichtenschreiber

von allerhöchster Stelle;

ein wortgewandter Treiber,

mal langsam und mal schnelle.

 

Bin in der Morgenstund’ Erzähler,

zum Abend stimme ich Dich ein,

will Freude, niemals Quäler

Deiner Gedankenvielfalt sein.

 

Das Denken, trüb und heiter

geht auf die Weltenreise;

rinnt durch Dein Hirn und weiter

hinaus auf Deine Weise.

 

 

Lebenskünstler

 

Wie eine Farbpalette breitet es sich aus,

das Leben, mit den schönsten Farben,

ob wir sie richtig mischen stellt sich erst heraus,

wenn wir das fert’ge Bild vor Augen haben.

 

Oft ist der Hintergrund zu dunkel oder hell,

den passenden Kontrast gilt es zu finden

und machen wir so manchen Pinselstrich zu schnell,

sind große Korrekturen einzubinden.

 

 Und oft sind dort Personen auf der Leinwand,

die ganz und gar nicht in die Szene passen,

die viel zu dunkel oder auch zu dominant,

nur einen negativen Eindruck hinterlassen.

 

Wenn wir die Harmonie der Farben weise wählen,

genießen wir auch freudevoll die bunten Tage,

wir werden zu den Lebenskünstlern zählen

und dankbar sein für jede Farben Gabe.

 

 

Meinem Sohn

 

Wie gerne würd’ ich Dich beschützen,

Dich weiter tragen durch Dein Leben,

doch würde es Dir wirklich nützen,

könnt’ ich Dir ständig Hilfe geben?

 

Du drehtest aufstieglos im Kreise,

weil Du nicht wächst und nicht veränderst,

und Deine wohl bequemen Gleise

nicht in die richt’ge Richtung wendest.

 

Kein Ehrgeiz drängt Dich, keine Kraft,

die Dir die Stärke gibt zum Handeln;

doch nur Dein eigner Wille schafft

den Aufstieg, wird Dein Schicksal wandeln.

 

Ich wünsch’ Dir Glück und Gottes Segen,

für alle Schritte, die Du gehst.

Fang’ endlich an zu überlegen,

wie Du Dein eig’nes Leben lebst!

 

 

Lebensmühle

 

Die Lebensmühle dreht und windet,

mahlt uns das Korn der vielen Stunden,

was noch die Spreu am Weizen bindet,

trennt jetzt die Güte der Sekunden.

 

Der liebe Gott backt einen Kuchen

von uns’rem wohl gemahl’nen Mehle,

die schlechten Dinge, die wir suchten,

verschnüren bitter ihm die Kehle.

 

Und ist der Kuchen gut geraten,

wird Christus ihn mit Kerzen schmücken

und alle Engel steh’n und warten,

zu kosten ihn in süßen Stücken.

 

Dann hat der Himmel off’ne Türen,

ein Hoch dem edlen Müllersmann,

darf Güte er im Zeichen führen,

                                                                                                                                  die nur ein Guter führen kann.                

 

 

Das Spiegelbild

 

Oh, Du Ergraute,

wie fremd wird mir Dein Bild,

das Altvertraute

und wie erscheint es mir so unbekannt?

 

Wo gestern noch der späte Sommer

wob mein Lebensband,

dort spüre ich den Herbst nun leise schleichen

und meinem unbeschwerten Ausseh’n

mussten Falten weichen.

 

Noch gestern blickte ich in junge Augen,

doch heute schau’n sie müde, voller Sorgen,

spür’ ich die Zeit an meinen Lebenskräften saugen,

frag’ ich Dich Spiegel, was zeigst Du

mir morgen?

 

 

Rosengarten

 

Erträumen wir ein Leben

wie im Rosengarten,

ein Paradies der Phantasie,

verwandelt sich das Streben

in ein Warten

und uns’re Träume

werden Ironie.

 

Bald überdrüssig werden wir des Müßigganges Bürde,

als ob das monotone Einerlei nie enden würde;

denn fehlen uns zur Lebenswürze auch die Tiefen,

wünschen wir fort, was wir noch gestern riefen.

 

 

So nehmet hin

das Bitt’re und das Süße,

wenn Ihr das Eine lebt,

tretet das And’re nicht mit Füßen.

Nur wer im Dunkeln steht,

ersehnt das Helle,

wer nur im Glücke schwebt,

tritt auf der Stelle

 

 

Volkslieder

 

Des Volkes Lieder,

sie sind längst verklungen,

vergessen sind die alten klugen Weisen,

die wir in Kindheitstagen wohl gesungen,

fällt die Kultur, die sie einst schuf,

aus ihren Gleisen.

 

Der Jugend ihren Lauf zu lassen,

ist das Eine,

 

das And’re ist, das Überlieferte zu pflegen;

 

wird man das Gütesiegel alter Weine,

wohl immer auf die lange Reife legen.

 

Wenn alte Lieder, schöne Worte sterben,

die einst ein ganzes Volk geprägt,

vergeht uns’re Kultur, die uns als Erbe

von uns’ren Ahnen in das Herz gelegt.

 

 

Sprechblasen

 

 

Der wortgewandten Redner gibt es viele,

doch sind’s oft leere Blasen,

die aus ihren Mündern strömen,

und sie zerplatzen dort mit lauten Tönen.

 

Doch gibt es jene Worte,

die die Welt verändern,

weil sie selbst in den fernsten Ländern

und in den taubsten Ohren

wie ein Ave Maria klingen,

denn sie zerplatzen nicht,

sie singen.

 

 

 

 

 

 

Reine Gedanken

sind wie reflektierendes Licht,

sich spiegelnd zwischen den Welten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Traumwelt

 

Das Licht der Kerzen ist verloschen,

das Haus ruht still im Abendlicht,

in Deiner Hand das Buch, geschlossen,

der Schlaf verzaubert Dein Gesicht.

 

Es wirkt so sanft im Schein des Mondes,

mit einem Lächeln, ganz entrückt,

und tief in den Gedanken wohnt es,

was Dich so wundersam beglückt.

 

Entführt Dich jede Nacht auf’s Neue,

reicht Dir die Hand zum Traumestanz,

trägt Deinen müden Leib mit Freude

durch allerfernsten Sternenglanz.

 

So fliehst Du weit in fremde Sphären,

machst eine Reise durch die Zeit.

Wenn Träume Wirklichkeiten wären,

dann schliefest Du in Ewigkeit.

 

Erwachen

 

Erwacht ihr müden Taggedanken,

das Licht befreit euch von der Nacht,

ward ihr im tiefsten Traum gefangen,

fühlt ihr noch ganz benommen

den Morgen kommen,

mit aller Macht.

 

 

 

Melodie der Nacht

 

Du bist vergangen,

fern noch Dein Lied – es klingt

so dunkel und der Himmel singt

so gottbefohlen.

 

Die Welt, sie schlief

und wie im Traum, mit ihr die Zeit,

fern macht der Tag sich nun bereit,

auf unsichtbaren Sohlen.

 

 

 

 

Wünsche

 

 

Ich möcht’ aus Deiner Seele lesen,

erfühl’n die Göttlichkeit in ihr,

 

möchte als unerkanntes Wesen,

die Rose sein, vor Deiner Tür;

 

möchte Dich in Gedanken halten,

zum Tanze nah Dich wiegend schwingen

 

und Dir die Blume für Dein Haar

aus dem verbot’nen Garten bringen;

 

möchte im Mondschein Dich bezaubern,

mit Sternen, die am Himmel tanzen,

 

Dir nur die schönsten aller Rosen

in Deine Herzenslaube pflanzen,

 

möchte Dein Narr sein und Dein Held,

der treu und schützend Dich umgibt,

 

der Dich aus unsichtbarer Welt

bereits seit Ewigkeiten liebt;

 

will sanft Dich sicher halten,

wenn Du zu fallen drohst,

 

möcht’ Deinen Weg begleiten,

ewig und grenzenlos.

 

 

Inspiration

  

Du bist es, der nach ewig langer Nacht

erweckte meinen Geist und meine Sinne,

der aus Gedanken schöne Worte macht,

der da ist, wenn ich zu Papier sie bringe.

 

Du bist es, der im Hintergrunde steht

und wenn ich schreibe, doch ganz nahe ist,

der mit mir unerschöpflich bunte Reime webt,

weil Du Impuls für viele meiner Worte bist.

 

Du bist es, den ich nie vergessen werde,

wohin mein ferner Weg auch gehen mag,

und wenn ich einst verlasse diese Erde,

begrüßt Du mich zu einem neuen Tag.

 

 

Leere Blätter

 

Die Tage gingen –

Leere-Blätter-Zeiten,

fehlten doch uns’re Wortverbundenheiten,

und in meinem Innern fühlte ich die Leere,

trennten mich von Dir und Deiner Sphäre

doch nur die bloßen Alltagslücken,

lassen sich mit Gedankenbrücken

nun neu verbinden –

ein ewig Wiederfinden.

 

 

Geistesblitze

 

Was soll ich schreiben,

frag’ ich mich so oft,

wenn ich das leere weiße Blatt betrachte,

und kommen die Gedanken, wie erhofft,

so sind sie Ursprung dessen,

der sie brachte.

 

Sind wie ein Blitz in meinem Kopf,

spontan und voller Willkür –

fremde Worte,

als packe mich Vergangenes

beim Schopf,

vermitteln sie vom weit entfernten Orte.

 

Es füllen sich die Seiten, wie die Stunden,

mit Sätzen;

formen sich zu Reimen auf’s Papier,

und in zig Tausenden von flüchtigen Sekunden,

verbinde ich mich still im Vers mit Dir.

 

 

Nachtglocken

Die Glocken klingen in der Ferne,

sie läuten schon den Sonntag aus;

am Himmel stehen erste Sterne,

die Stille zieht in Stadt und Haus.

 

Der Lampen Licht fällt durch die Scheiben,

wirft Schatten auf die leeren Straßen,

und es beginnt das bunte Treiben

im fahlen Mondlicht zu verblassen.

 

Wo Tag war, herrscht nun Dunkelheit;

der Wind, er schaukelt sanft die Welt,

Gott hat für uns’re Schlafenszeit

die Uhren langsamer gestellt.

 

Die Englein singen Wiegenlieder,

Du hörst sie, wenn’s ganz stille ist;

sie schwingen sanft zu uns hernieder,

damit das Dunkel heller ist.