Glaube - Liebe - Hoffnung

 

Gedichte im Wandel der Zeit

 

von

                             Gisela Seidel                        Index

 

Dichterseele

Berührungslos

Seelenflug

Vergangenheit

Gut und Böse

Schatten der Vergangenheit

Freundschaft

Gewesen

Erinnerungen

Glauben

Glaube – Liebe – Hoffnung

Lied der Engel

Verlorenes Paradies

Wandel

Erlöste Masse

Nach Hause

Stille

Lebensfeuer

Gebet

Trübsinn und Zweifel

Vergehen

Hilfloses Altern

Wie ein Blatt im Wind

Lebensfahrt

Sehnsucht

Hoffnung

Einsamkeit

Namenloses Sehnen

Verbotene Sehnsucht

Wahre Liebe

Grenzenlose Liebe

An Dich

Alte Liebe

Himmlische Berührung

Freude

Lebensplan

Altersschranken

Romanze

Ewige Liebe

Vertrauen

Neue Wege

Erwartung

Dunkle Jahre

Zukunft

Hass

Lied des Friedens

Verhängnisvolle Worte

Versteinerte Herzen

Biographien

Beschattete Ruinen

Oh, Jerusalem

Hölle auf Erden

Recht

Blindheit

Willkür

 Dichterseele

 

 Geh’ durch die Stadt, die ich so liebte,

suchend mein Blick nach all’ den Plätzen

der fernen Zeit, die gnadenlos einst siebte,

die guten von den wenig guten Sätzen,

 

die ich einmal zu schreiben wagte.

So viele Bücher, die ich füllte –

und oft, erst als der Morgen tagte,

sich meine Dichtersehnsucht stillte.

 

Die Zeilen rannen auf’s Papier,

mal zäh, mal flossen sie in Strömen.

Oft landete mein Denken schier

auch neben den erlaubten Tönen.

 

War ich gesellschaftlich gebunden,

so war doch frei mein Dichterband,

das sich so manches Mal verschlungen

um wohl verbot’ne Wege wand.

 

Ich blieb geachtet, viel zitiert,

war Mittelpunkt des Zeitgeschehens,

ich kritisierte unbeirrt,

hab’ Fehler spät erst eingesehen.

 

War ich doch Zünglein an der Waage

für manche Zukunft federführend,

verhielt mich oft nach Stimmungslage,

zu dominant und ungebührend.

 

Der Liebe Bänder, die ich knüpfte,

hab’ ich genauso schnell zerschnitten,

wenn rasch mein Herz vor Freuden hüpfte,

ist’s schon in’s Einerlei entglitten.

 

Ich war autark, zu Neuem offen,

mit ungestillter Gier auf’s Leben.

So wie mein Wirken, groß mein Hoffen,

ich könnt’ ein wenig Hilfe geben,

 

an alle, die sie brauchend nehmen.

Ich bleibe unsichtbar den Blicken,

zu lindern Euer irdisch’ Grämen

bin ich gewillt in großen Stücken.

 

Wenn meine Worte Euch erreichen,

und Eure Seelen mich erkennen,

wird Kummer schnell der Freude weichen

und Hoffnung in den Herzen brennen.

 

Denn dieses Leben ist nur eines

von vielen, die uns Gott beschert;

im Hintergrund hat ein geheimes

so manches Stück Euch schon gelehrt.

 

D’rum öffnet Euch dem Unsichtbaren,

erkennt die kosmischen Gesetze,

denn alte Leben, die einst waren,

erhalten ihre neuen Plätze.

 

 

Berührungslos

 

Fühle berührungslose Nähe,

distanzlose Gedanken,

die, würdest Du sie sehen,

wie dornenlose Rosen, duftend um Dich ranken.

Bruchteile von Sekunden,

mit einem Lächeln lieben –

so seelentief verbunden;

als stünd’s in einem heil’gen Buch geschrieben,

mit tausend Zauberworten,

die, wenn sie ausgesprochen an geheimen Orten,

die Herzensflammen bis in Ewigkeiten brennen ließen,

und dort verweilend,

würden sie den jüngsten Tag begrüßen.

In den Unendlichkeiten

würden sie die neuen Morgen kränzen,

als kleine Sterne

funkelnd an den fernen Himmeln glänzen,

und sich, wie unsichtbarer Liebesregen,

auf die Geschöpfe dieser Erde legen.

Ahnst Du mein unsichtbares Wangenstreicheln;

fühlst Du die fessellosen Bande?

Möchte’ gerne Deiner Seele schmeicheln,

bin ich doch Deinen Weg zu glätten außerstande.

 

Seelenflug

 

Flieg’ fort,

lass’ die Gedanken fliehen,

beschau von oben

uns’re kleine Welt;

dann wird Dir klar,

dass uns’re Zeit geliehen

und eine and’re Macht

den Plan in Händen hält.

 

 

Vergangenheit

ist das,

was uns groß oder klein machte,

was uns im Guten oder Bösen prägte

und die Weichen stellte

für unsere Zukunft.

 

 

Gut und Böse

 

Wir binden uns an Menschen,

die wir still verehren;

vertrauen blind den Worten,

die sie uns bescheren.

 

Und keine Schatten,

die Vertrauen töten,

nehmen wir wahr

und Vorsicht wird vonnöten.

 

Manipuliert und

von den Falschen oft bekehrt,

folgen wir dem,

was keinen Glauben wert.

 

Den Wolf im Schafspelz

gilt es aufzufinden;

nur schnell Umkehr führt

uns dann zu sich’ren Gründen.

 

Enttäuscht und traurig

wird uns manchmal klar,

dass das vermeintlich Gute

doch das Böse war.

 

Schatten der Vergangenheit

 

Ich fühle die Gestalten

im Dämmerschatten stehen,

sind unsichtbar verknüpft

mit meinem Zeitgeschehen,

wollen hilflos mich umklammern,

flehend und unerkannt,

herüber kommt ihr Jammern

aus fernem Anderland.

Möcht’ ich mich auch entziehen,

in wilder langer Flucht,

so kann ich nicht entfliehen,

wenn man mich bittend sucht.

Schau mutig ich hinüber,

mit ungetrübtem Blick,

bringt dieses Schau’n doch wieder

Erinnerung zurück.

Sind’s dunkle Lebensflecken,

die dort im Nebel stehen,

die mir aus finster’n Ecken

tief in’s Bewusstsein gehen?

Die vielen off’nen Wunden –

sie heilen wird die Zeit –

sind noch nicht ganz verwunden,

obwohl Vergangenheit.

Freundschaft

 

Freundschaften wachsen tief in’s Herz,

so ganz und gar verbunden,

fühlt man gemeinsam Freud’ und Schmerz,

gute und schlechte Stunden.

 

 

So edel manches Freundschaftsband

schien tief und fest verwoben,

ist es auf einmal kurzer Hand,

uns plötzlich fortgeflogen.

 

 Gewesen

 

Gewesen ist, was längst vorbei,

doch liegt Vergang’nes in den Zellen,

schäumt die Erinnerung dabei

sich manchmal auf zu Sturmeswellen.

 

Hast Du verdrängt die alten Lasten,

so stecken sie doch tief in Dir;

Du willst zu neuen Dingen hasten,

blockierst Dir selbst die off’ne Tür.

 

Will die Erfahrung dunkel trüben

die wahre Sicht, die gar nicht schlecht,

lässt Dich Dein Zweifeln unterliegen –

wird der Vergangenheit gerecht.

 

Die Zeit hüllt den Vergessensschleier

um alle Dinge, die gescheh’n,

denk’ an den Morgen, werde freier,

dann wirst Du bald die Sonne seh’n.

 

Erinnerungen

 

Ach, wie weh wird mir um’s Herz,

lausche still den dunklen Tönen;

Seele fühlt den tot geglaubten Schmerz,

kann sich noch nicht ganz versöhnen.

 

Längst vergangen und vorbei

sind die beweinten Zeiten,

dass manche Hoffnung brach entzwei,

wird bang betrübt mich leiten.

 

Die Menschen, die ich einst geliebt,

sind fern und fremd geworden;

das Glück schlich fort, so wie ein Dieb,

und blieb fortan verloren.

 

So oft geharret und gehofft,

vergeblich war mein Warten,

zierte statt Rosen nur zu oft,

Verdruss den Lebensgarten.

 

Was dort an Blüten voller Pracht,

mit Liebe einst gesäet,

hat mir das Schicksal über Nacht,

wohl gänzlich fort gemähet.

 

Mit leeren Händen steh’ ich nun,

mein Herz der Wunden viele.

Oh, lieber Gott tausch’ durch Dein Tun,

Unglück in Glücksgefühle.

 

 

Glauben

 heißt,

mit wachen Augen

zum Himmel zu schauen,

um auf ein Augenzwinkern

Gottes zu warten.

 

 

Glaube – Liebe – Hoffnung

 

Welt liegt im Dunkeln,

ruht in schwarzen Schatten;

nirgends ein Sternenfunkeln,

und über den Rabatten

lasten die alten Flüche,

im Niemandsland, da weint die Psyche

ängstliche Tränen.

 

Wie man sich ohne Mutterseele ganz alleine fühlt,

so wie ein Sandkorn, das vom großen Meer umspült,

bleibt einsam man im Innern,

nur Liebe kann im Außen dann verringern,

wonach wir lebenslang uns sehnen.

 

Alleine wir uns oftmals wähnen

in uns’rer Lebensschlacht,

wenn sie uns unerwartet Leiden schafft

und Herzen kalt zu Stein erstarren lässt,

steh’n wir trotz aller Seelenqualen felsenfest,

empfangen selbst die ärgsten Hiebe

für etwas Liebe,

die oftmals, eh’ sie überhaupt begonnen,

sogleich zerronnen.

 

Doch ist die Nacht auch dunkel, voller Sorgen,

vertrau’n wir auf den fernen lichten Morgen,

den wir mit Glauben, Hoffnung, Liebe füllen werden,

so schaffen wir Verschmelzung schon auf Erden,

mit dem allein wir uns verbinden können.

So, von der unsichtbaren Welt begleitet,

dem eignen Willen folgend, werden wir geleitet;

geh’n zwar alleine durch des Lebens Wüstenschwüle,

am Ende dann, gelangen wir zum höchsten der Gefühle.

So flüchtig, wie die Liebe hier auf Erden war,

so endlos währt sie gottesnah!

 Lied der Engel

  

In Tönen, die nur Seraphinen singen,

durchströmt ein glockenheller Klang die Welt,

durch überirdisches Vibrato ferner Stimmen,

wird uns’re Dunkelheit zum lichten Tag erhellt.

 

Wo Gottes milde Segensströme fließen,

ergießt sich jetzt der Engel heil’ger Lobgesang,

endlose Liebe wird sich über uns ergießen

und uns’re wunden Herzen füllen lebenslang.

 

 

Verlorenes Paradies

 

Es geht ein Hoffen um die Welt,

 ein altes Sehnen,

 

ein Streben, frei vom Drang nach Geld,

befreit von Tränen,

 

es ist die Suche nach dem Glück,

für ewig gar,

 

bringt uns das Paradies zurück,

wie’s damals war,

 

in dem nur dornenlose Rosen stehen

und alle Lebensräder rückwärts drehen;

 

in dem es keine Sünde gibt,

nur einen Gott, der uns unendlich liebt.

 

 

Wandel

 

Das, was noch vor Dir liegt, sind schwere Schritte,

wohin sie führen, das ist Dir bewusst;

sind’s doch oft mühevolle Lebenstritte,

die man zum Wandel erst durchlaufen muss.

 

Ich wünsche Dir ein weises Handeln,

mutig und stark wirst Du Dein Ziel erreichen;

die Dunkelheit wird sich zum Lichte wandeln

und neue Wege hell vor Dir erleuchten.

 

 

Gottesgabe

 

Es sind so viele Wünsche, die ich für Dich habe,

nur Glück und Liebe soll’n Dein Herz erfreu’n;

dass Du gelebt, sollst Du als Gottesgabe,

im tiefsten Seeleninnern nie bereu’n.

 

Und wird sich manches Glück auch wandeln,

aus Deinen Augen Trauertränen rinnen,

so wird ein gottesnahes Handeln,

Dich stets zum stillen Frieden bringen.

 

Vertraue und sei guten Mutes,

was auch Dein Schicksal bringen mag

und ist es manchmal wenig Gutes,

dann freu’ Dich auf den neuen Tag.

 

Erlöste Masse

 

Das Lebensende ist letztendlich

unabwendlich;

wir zögern sie hinaus, die letzte Stunde,

kämpfen noch um die dunkelste Sekunde,

weil wir mit letztem Atemzug an der Materie kleben;

erlöste Masse –

wie vergänglich war Dein Streben,

nun gilt Dein geistig Weiterleben

wohl einer and’ren Klasse.

 

 

Nach Hause

 

Wir sind geblieben,

ließen Dich nach Hause geh’n,

nun steh’n wir hier im Regen,

allein lässt Du uns steh’n

mit uns’rer Trauer,

weil wir nicht begreifen,

dass Dein Seelenreifen

vollzogen.

So bist Du uns entflogen,

wie ein Vogel aus dem Käfig flieht,

wenn er fern das Sonnenlicht

am Himmel sieht.

Die liebsten Wünsche

begleiten Deine Reise

und Du wirst leise

schwebend Deine Seele heben,

um zu erreichen Deiner Sehnsucht

unendliches Streben.

Wirst Du verbunden sein

mit dem, der Deinen Namen rief,

dann schlafe sanft in seinem Arm und tief.

 

 

Stille

  

Dort, wo die Stille durch die Bäume sinkt

und friedvoll mit dem Dunst zu Boden schwebt,

dort, wo des Vogels Lied so traurig klingt,

dort sende ich Dir Grüße im Gebet.

 

Dort, wo auf Gräbern, die vergessen liegen,

Unkräuter blühen, statt der Blumen Zier,

dort, wo die Zweige, die im Wind sich wiegen,

ganz leise flüstern zu den Mauern hier.

 

Dort, wo die Marmorsteine kraftvoll glänzen,

neben den namenlosen, alt und unerkannt,

wo Todesengel wachend bei den Kränzen

irrende Seelen führen in das Anderland.

 

Dort, wo der Tränen Fluss die Erde nährt

und auch der Himmel Trauertränen weint,

dort wird die Seele, die gen Himmel fährt,

still mit der Gottes-Ewigkeit vereint.

 

 

Lebensfeuer

 

Es löscht der Lebenswind

die Feuer uns’rer Herzen;

 

so wie die Flamme,

die ein kühler Hauch erfasst,

schmilzt uns’re Erdenzeit

wie heißes Wachs der Kerzen,

 

bis auch der letzte Funken

ihrer Glut verblasst.

 

*

Wir werden einst

von dieser Welt geschieden;

 

so wie die Türe,

die zuletzt ins Schlosse fällt,

sind wir alsdann getrennt

von uns’ren Lieben,

 

doch öffnet sich die Weite

einer and’ren Welt.

 

 

Gebet 

Wie lieb spinnst Du so leise

von meines Lebens Glück,

so klug versprichst Du weise

mir glückliches Geschick.

 

Soll’n scheiden sich die Geister

aus der Vergangenheit,

stehst Du als Lebensmeister

mir zukünftig bereit.

 

Wirst meinen Weg begleiten,

trägst mich mit starker Hand;

Du wirst mich schützend leiten,

ins unbekannte Land.

 

Ich werde staunend schauen,

Dir danken im Gebet,

wenn altes Gottvertrauen

durch meine Seele geht.

Trübsinn und Zweifel

 

Wann wird es sich ändern,

das unstete Treiben,

das Sitzen und Warten –

so kann es nicht bleiben;

nur Trübsinn und Sehnen

nach besseren Zeiten,

wie lästige Fliegen,

die mich begleiten;

wohin ich mich wende,

nur kreisende Stille,

ein Vakuum,

luftleeres Zeugnis

der Fülle;

es ist wie es ist,

nicht bringt es zum Ende;

es gähnt mir entgegen

die Kahlheit der Wände

und treibt mir das Grausen

in meine Gedanken:

Die Taten so gräulich,

wer bringt mich zum Wanken?

Wer trübt mir im Innern

mein blankes Vertrauen?

Auf welchen Menschen

kann ich noch bauen?

Wo blieb meine Zuversicht

und meine Stärke?

Welch’ Dramaturg spinnt hier finstere Werke?

Oh Gott,

füll’ mich mit christlichem Licht

und nehm’ mir die Kälte aus

Geist und Gesicht,

möcht’ wieder fühlen die Wärme und Kraft,

erleuchte mit Liebe mein Dunkel der Nacht.

 

 

Vergehen

 

So gläsern ihre Haut,

scheint durch wie Pergament;

vor Jahren ist sie schon ergraut –

die Lebenszeit, sie rennt.

 

Und plötzlich war sie alt,

gezeichnet ihr Gesicht;

die einst so jung,

von stattlicher Gestalt,

geht jetzt gebückt,

den Tag erkennt sie nicht.

 

Wenn stumme Blicke grüben

sich wie ein Strom, der fließt,

sie ihren Blick den trüben

mit Tränen übergießt.

 

In einer Welt versunken,

in der sie ganz allein,

Erinnerung ertrunken

wird sie am Ende sein.

 

Das Essen und das Trinken

hat sie längst eingestellt,

will ganz und gar versinken

nun in die Anderwelt.

 

Ist schon die Macht, die ziehet,

die sagt: Die Zeit ist reif!

Das Lebenslicht verglühet

zur wohl bestimmten Zeit.

 

Hilfloses Altern

 

Die Tür’ fällt leis’ in’s Schloss!

Du musst verlassen Deines Wirkens Stätte.

So, wie ein langer Regen sich ergoss

und dann versickert tief im Erdenbette,

so flossen Deine Tage voller Schaffen,

doch langsam wich die Kraft aus Deinen Zellen,

vorbei der Ansporn, das Zusammenraffen,

der Zahn der Zeit, er nagt an allen Stellen.

 

Ein letzter Blick fällt auf das Altvertraute,

ein tiefer Seufzer den Erinnerungen.

Der mit Elan einst Zukunftsschlösser baute,

ist ohne Ziele, hoffnungslos durchdrungen.

 

Die Wehmut lenkt die Schwere Deiner Schritte,

nichts hält Dich, niemand der Dein Dasein wandelt;

was Du einst liebtest und Dich hielt in Deiner Mitte,

ist doch längst fort, vorbei und abgehandelt.

 

Hältst Zwiegespräche mit den Unsichtbaren,

die schon vor langer Zeit die Welt verließen.

Hilflosigkeit wächst mit den täglichen Gefahren

und tückisch scheint der Weg unter den Füssen.

 

So gehst Du hin in eine Heimstatt, die man wählte,

und überschaubar werden Deine letzten Jahre.

Ein Ort an dem Vergessenheit - Gequälte,

vergessen werden – schließlich bis zur Bahre.

 

Wenn Menschenhände Dich längst losgelassen,

Du mit Erinnerungen nur im ‚Damals’ lebst,

bleibt Dir nur Gott – er wird Dich nicht verlassen,

wenn Du auf Deine letzte Reise gehst.

 

 

Wie ein Blatt im Wind

 

Will wie ein  Blatt zu Boden fliegen,

der Herbstwind, er soll sanft mich wiegen,

 

lass’ hinter mir die warmen Zeiten;

muss langsam mich nun vorbereiten,

 

auf Stürme stark und kalte Nächte,

wenn doch der Winter wieder brächte

 

den neuen Lenz mir, voller Sehnen,

mit allen lebensfrohen Tönen.

 

So weiß ich doch, was folgen wird;

geh’ meine Wege unbeirrt,

 

bis ich das Ziel dann vor mir sehe.

Ist es erreicht, ruf ich: Ich gehe!

 

Nehme mein Leben, der es lenkte,

der es mir einst mit Liebe schenkte.

 

So wandelt sich das Erdenleben

zum geistig Licht erfüllten Streben.

 

Gott wird begleiten meine Zeit

bis zum Beginn der Ewigkeit.

 

 

 

 Lebensfahrt

  

Es eilt des Lebens Fahrt

vorbei an Freud’ und Leide,

nie hält es an,

erst wenn das Ziel erreicht,

steht es im Trauerkleide.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sehnsucht

ist ein Schmerz

der Hoffnung trägt,

auch wenn der Weg am Horizont endet.

 

 

Hoffnung

 

Die Hoffnung setzt Vertrauen in das Leben,

obwohl die Dunkelheit so manchen Tag verhüllt,

wird sie uns Lebensmut und Selbstvertrauen geben,

auch wenn oft langes Warten uns’re Stunden füllt.

 

Und ist uns bang um’s Herz und trüb die Sicht,

für Pläne, die wir tief im Herzen schmieden,

so sendet uns ein Leuchten neues Hoffnungslicht;

gelingt ein Plan, bringt es uns den erträumten Frieden.

 

Die Hoffnung ist die Flamme uns’rer Lebenslichter,

ein Funke, der das Feuer in der Dunkelheit entfacht,

erfüllte Träume bringen strahlende Gesichter

und es durchflutet heller Schein die finst’re Nacht.

 

Oft will uns nicht gleich jeder Schritt gelingen,

dann straucheln wir und fallen hart zurück;

die ferne Zeit wird dann zum Guten bringen,

was einst zerstörte unser Missgeschick.

 

Einsamkeit

 

Keine Stimme, die ruft,

kein Herz, dem ich fehle,

nur Einsamkeit, Stille,

durch die ich mich quäle –

aus der Ferne, der Klang der Motoren

und manchmal will sich die Ruhe

in meine Seele bohren.

 

Suche Beschäftigung,

die diesen Bann durchbricht,

doch wirklich finde ich sie nicht.

Kann mich nicht fügen,

nicht konzentrieren,

möcht’ manchmal den Verstand verlieren.

 

Ich schau’ die Wände an –

es sind dieselben, die ich vor einer Stunde sah;

verwandeln möchte ich die gelben

in bunte, mit Punkten,

die ich dann zählen könnte,

um mich abzulenken,

vom Denken.

 

Namenloses Sehnen

 

Du stehst im Dunkeln –

unerkannt,

verborgen Dein Gesicht.

Nie wird Dein Name mir genannt,

und wie ein Schatten tauchst Du aus dem Licht.

 

Wer bist Du, unbekanntes Wesen,

nach dem mein Herz so sehnend dürstet?

Wartest Du schlummernd,

bis die Zeit gereift?

Siehst Du nicht, wie sie gnadenlos ergreift

mein klagend Leben?

So wird sich bange Sehnsucht

in die Stunden weben

und mich verzweifeln lassen

an der Seeleneinsamkeit.

 

Ich bitte Dich, oh Zeit,

nimm mir die finst’ren Qualen

und zeig im Licht, was Du mir vorgesponnen!

 

Wird neue Liebe mir den Ausgleich zahlen,

für das Vertrauen, das sie einst genommen?

                                                   

Verbotene Sehnsucht

 

So, wie die Schwalben ohne Rast

zu segeln durch die Lüfte,

 

mit allen Sinnen, fern der Last

zu atmen süße Düfte;

 

oh, wie du lockst, du weite Welt,

mit Schönheit und mit Leben,

 

und jeder Stern am Himmelszelt,

will meine Sehnsucht regen;

 

wie leide ich an meiner Ruh’

der abgeschied’nen Welten,

 

so hör’ mich rufen, laut: Nur Du

kannst meiner Seele helfen!

 

Wollt’ nahe sein nur Dir, mein Herz

und opfern Dir mein Leben,

 

das Einsamkeit mir wird zum Schmerz,

bitt’ ich Dich zu vergeben.

 

Seh’ nicht als Sünde meinen Drang

des Daseins Sinn zu üben,

 

folg’ trotzdem Dir ein Leben lang,

gib meiner Seele Frieden.

 

 

     Wahre Liebe

ist ein kostbares Geschenk,

reich machend,

ohne zu fordern.

 

 

Grenzenlose Liebe

 

So, wie der Wind die Vögel trägt,

so trag ich Dich auf Händen,

 

wenn Dich ein Seelensturm erregt,

ich will ihn von Dir wenden;

 

will streicheln Dich mit Sommerbrisen

und warm Dich sanft umströmen,

 

will Dich auf bunt gefärbten Wiesen

mit Sonnenlicht verwöhnen;

 

ich geb’ Dir Halt und Lebensmut,

solang’ Du bei mir bist,

 

das Böse um Dich mach’ ich gut,

die Dunkelheit zum Licht.

 

Ich führ’ Dich in ein Märchenland

der goldbekränzten Feen,

 

die, wie mit unsichtbarer Hand,

Dir Himmelsblumen säen.

 

Ich bin mit Dir und halt Dich warm,

wenn Du zu frieren drohst,

 

schläfst Du erst sanft in meinem Arm,

wird Liebe grenzenlos.

 

                         

An Dich

 

Mein Herz es ruft nach Dir ganz in der Stille,

bist mir mein Alles und mein fernes Nichts;

 

Du hinter Wolken liegende Idylle,

verborgene Unendlichkeit des Lichts.

 

Nur in Gedanken kann ich Dich erfassen,

in Träumen Dir die Hände reichen;

 

will meinen Blick nicht von Dir lassen,

von meinem Weg will ich nicht weichen.

 

Wenn sich der letzte Schleier lüften wird

und uns’re Dimensionen sich verbinden,

 

werd’ ich durch off’ne Himmel, unbeirrt,

den Weg zu Dir nach Hause finden.

 

Alte Liebe

 

Nur Deine Seele weiß,

dass wir zusammen waren,

vor hunderten von Erdenjahren;

als uns in fernem Land

die tiefe Liebe band,

und wir uns sehnten

nach den Blicken des anderen.

 

So viele Leben, die wir durchwanderten!

 

Und immer warst Du fern,

doch tief im Herzen

blieben wir verbunden,

und funkelt in der Einsamkeit

des Alls ein Stern,

so seh’ ich Dich in

flücht’gen Traumsekunden.

 

Ich möcht’ die Liebe fühlen,

die ich einst verlor

und in Erinnerungen wühlen,

denn ich fror

bei meiner Seeleneinsamkeit, der kühlen.

 

Himmlische Berührung

 

 

Und sanft berühr’ ich Dich in Träumereien,

verspür’ die Nähe Deiner sich’ren Führung,

darf mich an der Unendlichkeit der Liebe freuen,

genieße die Sekunden himmlischer Berührung.

 

In meinen Taggedanken bist Du mein Begleiter,

verbunden stets durch Deiner Worte Kraft,

bist mir im Hintergrund mein stiller Leiter,

der meines Daseins Fülle Sinn verschafft.

 

So wie das Liebesglück gepaart mit Tränen,

folgt der Enttäuschung bange Hoffnung dann;

und der Erfüllung folgt alsdann das Sehnen,

so bindet uns ein flüchtig’ Leben ewig lang.

 

Freude

 

Die Zeit der großen Freude ist noch fern,

alsdann sucht man sie in den kleinen Dingen,

bis eine neue Liebe aufgeht wie ein heller Stern,

werden Alltäglichkeiten uns zum Lächeln bringen.

 

 

Lebensplan

 

 

Wenn Du mich rufst, dann komme ich

durch finst’re Nacht zu Dir;

 

wenn Du mich suchst, dann brennt ein Licht

ganz hell an meiner Tür;

 

Du findest mich im Überall,

siehst mich in Deinen Träumen;

 

bin schneller bei Dir, als der Schall,

wie Wind in allen Bäumen;

 

den Plan für Deine weit’ren Wege,

halt ich in meiner Hand;

 

Du wirst sie sicher finden,

darauf hast Du mein Pfand!

 

Ließ ich doch mein Vertrauen

und meine Liebe Dir,

 

so lass’ mich durch Dich schauen,

des Lebens Wunder hier.

 

Dann fließen alle Fragen

und alle Zweifel fort,

 

nie soll Dein Herz verzagen,

an einem falschen Wort.

 

 Altersschranken

  

Wie gern würd’ ich Dir gegenüber stehen,

und meinen Blick

beim Schüchtern-in-die-Augen-sehen

dann schnell verbergen;

 

wie gern würd’ ich Dir mein Hände reichen

und wie ganz zufällig dann über Deine streichen;

 

Dich ahnen lassen, wie mein Herz empfindet,

und völlig unbegründet

voll Scham erröten,

 

wie in der Jugend und es wird vonnöten,

mir klar zu machen, dass vorbei die Zeit

und meine alte Seele sich befreit

von diesem Sinnen;

 

doch kann nur Liebe Seligkeiten bringen

und junge Frische flutet sanft mein Denken;

 

mag mich auch rosarote Blindheit lenken,

soll’n sich mit Liebe füllen die Gedanken,

und öffnen die vom Alter auferlegten Schranken,

 

so will ich neu verspüren alten Lebenssinn,

damit ich auch auf Erden nah’ dem Himmel bin.

 

 

Romanze

 

Die Glocken, wie sie klingen –

ist’s noch der alte Schlag?

Mein Herz, es möchte springen,

an einen fernen Tag.

 

Die altvertrauten Zeiten

im abendlichen Ton,

wie damals hör’ ich’s läuten –

die Zeit lief uns davon.

 

Fühl’ ich noch Deine Nähe

am wohl geheimen Ort,

späh’ ich nach Dir als sähe

ich Dich von ferne dort.

 

Schmeck’ ich noch Deine Küsse,

verboten, doch so süß,

verspüre Hochgenüsse,

wie einst im Paradies.

 

Seh’ Deine Silhouette

am Horizont, im Geist;

verspüre noch die Kette

der Sehnsucht, die nie reißt.

 

Verschwunden in den Zeiten –

hör’ Deiner Stimme Klang,

wird sie mich stets begleiten

Unendlichkeiten lang.

 

Ewige Liebe

 

Die Liebe möcht’ ich fühlen

in allen meinen Zellen,

 

möcht’ meinen Blick, den kühlen

in’s Licht erwärmend stellen;

 

ganz in Gedanken sinken,

die sehnsuchtsvoll entbrennen;

 

ein freundschaftliches Winken

am Horizont erkennen.

 

Vertraute Hände fühlen

auf meinen, liebevoll,

 

in der Erinn’rung wühlen,

voll Glück und ohne Groll;

 

vertraulich mich ergänzen

mit der geliebten Seele,

 

im hellen Sonnenglänzen

genießen traute Nähe.

 

Möcht’ Seligkeit erleben,

die es auf Erden gibt,

 

mich ganz und gar ergeben,

dem, der mich ewig liebt.

Vertrauen

ist die Furchtlosigkeit

dem Licht zu folgen

und mutig neue Wege zu beschreiten.

 

 

 Neue Wege

 

 Ein Labyrinth gleicht uns’rem Leben;

von Hindernissen oft gefüllt,

als ob es keinen Ausweg gäbe,

steh’n wir vor der Barrieren Bild.

 

Wir rennen an gegen die Steine,

die sich in uns’ren Alltag legen,

sind mutlos, wenn die müden Beine

nicht Schritt halten auf uns’ren Wegen.

 

Nach langen Märschen ohne Ziel

müssen wir oftmals eingesteh’n,

dass wir in uns’rem Lebensspiel

uns manchmal nur im Kreise dreh’n.

 

Wir irren durch den Lebensgarten,

wie durch ein Dunkel ohne Licht;

seh’n nicht die Wunder, die dort warten

und neue Wege geh’n wir nicht.

 

Es gilt das Alte aufzugeben,

will man das Bessere ergründen;

mit Gottvertrau’n wird man im Leben

auch seinen Seelenfrieden finden.

Erwartung

 

Ungeduld durchströmt das Handeln,

ohne Ruhe scheint der Geist,

wenn sich der ersehnte Wandel

scheinbar endlos dreht im Kreis.

 

Fern dem Ziel erscheint die Strecke,

die zu bewältigen wir wählten,

die wir langsam wie die Schnecke,

Schritt für Schritt uns vorwärts quälen.

 

Und haben wir trotzdem erreicht,

was wir zu Träumen nicht mehr wagten,

dann wird’s um’s Herz uns richtig leicht,

vergessen ist, woran wir fast verzagten.

 

D’rum setzt die Ziele nie zu hoch

und nie zu groß das Streben,

gelingt in kleinen Schritten doch,

der Aufstieg durch das Leben.

 

 

Dunkle Jahre

 

Der Tränen hab’ ich viel vergossen,

in stetem Leid ertrank mein Herz

und war’n die Augen fest geschlossen,

empfand ich tiefen Seelenschmerz.

 

Ich irrte lange durch die Zeiten,

fand keinen Menschen, der mich trug,

ließ mich von Traurigkeit begleiten,

nur Ablehnung fand ich genug.

 

So gingen hin die alten Tage,

mir folgte nur die Einsamkeit,

nichts änderte die Lebenslage,

die Liebe blieb so fern, so weit.

 

Mein Herz, das suchte stets den Wandel,

doch Menschen brachten nicht das Glück

und durch das oftmals falsche Handeln,

blieb nur die Bitterkeit zurück.

 

Nach langen dunkeltrüben Jahren

sind’s neue Wege die ich gehe,

ich darf mit Dankbarkeit erfahren,

die liebevolle Gottesnähe.

  

 

Zukunft

 

Das Lebensrad dreht sich im Kreise,

mal läuft es langsam,

manchmal schnell;

lenkt uns auf unsichtbaren Gleisen,

vorbei an Dunkel oder Hell.

 

Oft fürchten wir, was im Verborg’nen liegt

und suchen Rat in des Orakels Kraft,

es gibt uns Wissen, das dann gerade biegt,

was sonst recht krumm in seiner Eigenschaft.

 

Wir gehen nicht mehr uns’re eignen Wege,

das, was normal wir täten, tun wir nicht,

als würden wir die Zukunft in die Karten legen,

folgen wir dem, was uns’ren Willen bricht.

 

Wir denken nur noch an das unbekannte Ferne,

vergessen ganz den Glanz der Gegenwart,

befragen Kaffeesatz und Stand der Sterne

und sind vom Reiz der Antworten genarrt.

 

Vergesst nicht Euer tiefes Wissen,

das selber Ihr in Euch verspürt,

Wegweiser werdet Ihr nicht missen,

wenn Euer Weg zu mir Euch führt.

 

 

 

Hass

 ist gefrorene Liebe,

die das Erdreich flutet.

Die Eiszeit wird enden,

wenn das Licht keine Schatten mehr wirft.

 

 

Lied des Friedens

 

So, wie der Muezzin von seinem Minarett

zur Stunde des Gebetes ruft,

 

möcht’ ich der Menschheit singen,

 

von einem ein’zgen Gott, der Christ und Moslem eint,

weil er sie beide schuf –

 

dies Lied soll allen Völkern in den Herzen klingen.

 

Will Frieden in die wunden Seelen tragen

und tauschen Freude gegen Leid.

 

Die Zeichen werden steh’n und Menschen

die Veränd’rung wagen –

 

Freundschaften wachsen mit der Zeit.

 

Die Welt braucht Händedruck und keine Kriege,

die weder Sieg noch Frieden bringen.

 

Vereint die Völker dieser Erde,

doch nur mit Liebe wird Euch das gelingen!

 

Verhängnisvolle Worte

 

Ersonnen sind der Worte viele,

besinnliche Gedankenspiele,

 

die ganze Blätter-Wälder füllen,

erdacht, geschrieben, ganz im Stillen;

 

Anziehungskraft des fremden Flairs,

Unendlichkeit des Schriftenmeeres,

 

lässt uns in ferne Welten tauchen,

kann Märchen Wirklichkeit einhauchen;

 

das, was sonst niemand anders schafft,

vollbringt des Wortes Zauberkraft.

 

Schenkt uns ein Wort der Liebe Glück,

so nimmt ein and’res dies zurück;

 

mit ein paar hingesagten Sätzen,

kann man die Seele tief verletzen

 

und oft noch leidet man alsdann

darunter gar ein Leben lang.

 

Wählt Eure Worte mit Bedacht

und sprecht nicht aus, was Leiden schafft,

 

kann man in wunden Augen lesen,

dass Schweigen besser wär’ gewesen.

 

 

Versteinerte Herzen

 

 

So hart wie Stein wird mancher Menschen Herz,

kennt weder Mitgefühl noch Gnade,

gönnt anderen nur Spott und Seelenschmerz,

lockt erst die Gier nach Macht,

wie süßes Apfelfleisch die Made.

 

Das Leiden anderer – zur Schau gestelltes Quälen,

war früher Freude der Cäsaren Tribunal,

als Schauplatz wird man heute and’re Orte wählen,

wenn schreiend erst das Volk die Daumen senkt,

dann rollen Köpfe, so wie damals, ohne Zahl.

 

 

Biographien

 

Blasses Erinnern

an verfälschte Farben.

Vergangene Zeiten starben,

mit ihnen die Spuren

historischer Figuren;

farblos verblasst durch die Zeit,

nur noch schwarz-weiß,

dünn und zaghaft die Striche;

 

so leis’ ist müde sie geschlichen,

hat alles mitgenommen

und ganz verschwommen

sind manche Biographien

einem Schattenriss gewichen;

 

die einst so großen Weltfiguren,

abgebildet mit zerflossenen Konturen,

wässrig und durchscheinend,

jedoch ohne Transparenz,

erscheinen wie ein falsches Gold,

das niemals hat geglänzt.

 

 

Beschattete Ruinen

 

 

Die alten Steine, sie sind längst zerfallen,

Ruinen bleiben – Zeugen ferner Zeit,

und in den teils versunk’nen Säulenhallen

durchbraust der Wind die graue Brüchigkeit.

 

So viele Menschen sind des Weg’s gegangen,

erfühlten nicht die Geister der Epochen,

als Zaubersprüche diesen Ort verbannten

und dunkle Ängste durch die Räume krochen.

 

Des Erdendaseins abgelöste Schatten

verweilen immer noch in den Palästen,

sie tanzen nächtlang auf den Rabatten,

die Totenvögel rufen laut zu ihren Festen.

 

Die Ewiglichen der vergang’nen Zeiten,

der mediale Mensch erfühlt die Kraft;

das Wissen schafft den alten Eingeweihten

manch’ unsichtbare dunkle Macht.

 

 

Oh, Jerusalem

 

Du alte Stadt,

geschichtlich warst Du auserkoren;

wie schuldbeladen schwingen Deine Stätten.

 

Der Klagen ist genug,

sie dröhnen laut in meinen Ohren!

 

Füllt Ihr mit Frieden nicht die Mauern,

was kann Euch noch retten?

 

Der Schrei nach den Gerechten ist verhallt

und längst verklungen.

 

Habt Ihr vergessen, was Euch selbst bedrückte?

 

Es ist so, wie die Alten einst gesungen!

 

Liebet den Nächsten, der zusammenrückte

und seine Heimat mit den Euren teilt!

 

Taut Euren Hass in Liebe auf – es eilt!

 

 

Hölle auf Erden

 

Mit großen Lebensfehlern, die wir einst gemacht,

pflastern wir uns die eig’ne Erdenhölle,

 

die uns umgibt, wie rabenschwarze Nacht;

wo dunkle Mächte fordern ihre hohen Zölle.

 

So, wie ein Strudel, der uns aus der Mitte reißt,

und dann erbarmungslos in seine Tiefen zieht,

 

wie uns ein Sturz den Aufprall wohl verheißt,

wenn man mit großen Augen in den Abgrund sieht;

 

so quält allgegenwärtig unser Missgeschick,

versperrt den Blick zu neuen, guten Dingen

 

und standen wir schon auf dem ob’ren Leiterstück,

muss dann ein neuer Aufstieg erst gelingen.

 

So werden wir die Meister uns’res Lebens,

gelernt sein muss ein jeder uns’rer Schritte

 

und mühen wir uns manchmal auch vergebens,

die Umkehr führt uns heim in uns’re Mitte.

 

 

Recht

 

Es sühnen die Gerichte schlechte Taten,

doch ist gerecht noch lang kein Richterspruch,

Ihr seid mit Sinn nach Rache schlecht beraten,

wenn Ihr für Schuld gerechte Strafen sucht.

 

Wer and’re in den Tod schickt ist nicht besser,

als jener, der zuvor den Mord verübt,

wäscht man Justitia’s Hand mit klaren Wässern,

ist nach dem Reinigen das Wasser unschulds-trüb.

 

Wir fordern Ethik und Moral mit Geistesgröße,

doch nur zu leicht zerfließen hier die Grenzen,

wir machen aus ‚nicht gut’, ‚ein bisschen böse’,

verdrehtes Recht schafft eig’ne Konsequenzen.

 

 

Blindheit

  

Die Wahrheit

hält sich hinter Masken oft verborgen,

ein Lächeln

überdeckt so manchen Makel, den wir spüren,

an dem,

der uns in seinen Bann gezogen

und wir besorgen

ihm doch alles,

was er braucht.

 

Selbst seine übelsten Allüren

ertragen wir,

auch wenn’s uns graust.

 

Wir sind so fasziniert von seinem Tun,

dass wir vergessen, was wir selbst gern täten;

nur die Gewissheit lässt uns schließlich ruh’n,

die uns zufried’ne Worte oder Blicke böten.

 

Sind wir nur Knechte eines falschen Herrn,

der stark und dominant sein Zepter schwingt?

 

Entweder leiden wir doch gern,

oder sind einfach liebesblind?!

 

 

 

Willkür

  

Mit Willkür ist des Staates Macht

so voll und ganz durchwoben,

dass sie den Menschen Leiden schafft,

die sie zum Dienst erhoben.

 

Bestimmungen sie sind geschrieben

wohl auf recht dehnbarem Papier,

erwartungsvoll erhoffst Du Frieden,

doch naht sogleich ein Kriegsgewirr.

 

Du hast als Bürger viele Rechte,

geschrieben auf geduld’gem Grunde,

doch gibt’s genauso viele Schächte,

die wohl umgehen diese Kunde.

 

Erst wenn am Boden Du schon kriechst

mit blutig blauen Knien,

Du Deinen Rücken krumm Dir biegst,

wird Dir Gehör verliehen!